Autorin Musikerin Coachin
WRITING SCHOOL'S OUT FOREVER
Wie ich mein Buch und ich erwachsen wurden
Die Geschichte dieses Buches beginnt lange bevor ich überhaupt wusste, dass ich einmal Autorin sein würde. Eigentlich zieht sich das Schreiben durch mein ganzes Leben – mal offensichtlich, mal ziemlich gut getarnt in Hausarbeiten, Unterrichtsmaterialien oder kilometerlangen Gedanken über das Leben. Erst während meines Schulausstiegs wurde mir bewusst, dass da etwas war, das mich schon immer begleitet hatte. Aber diese Geschichte beginnt in der ersten Klasse.
Uta, Olaf & der Eiserlon
Genauso wie ich zu singen begann, als ich sprechen konnte, begann ich Texte und Geschichten zu schreiben, als ich schreiben lernte. Genauer gesagt: in der ersten Klasse. Meine erste Geschichte versteht man allerdings nur, wenn man sie laut vorliest. Sie handelte von Olaf und Uta, den Figuren aus unserem Deutschunterricht, die gemeinsam in einen „Eiserlon“ gingen, um ihre vier Mark auszugeben.

VIELLEICHT WERDE ICH MAL AUTORIN
Ich schrieb und las mich durch meine Kindheit und Jugend. Irgendwann kam sogar der Gedanke auf, später Autorin zu werden. Ein Pseudonym hatte ich mir schon ausgedacht. Allerdings hatte ich ungefähr genauso viele andere Ideen, was ich werden könnte. Nach dem Abitur zog es mich zunächst in Richtung Journalismus. Zwei Monate Praktikum bei RTL Punkt 12 später war dieses Interesse vorerst erloschen. Könnte an RTL gelegen haben.
Das Schreiben verschwand allerdings nie. An der Uni lebte ich meine kreativen und schriftstellerischen Fähigkeiten in Hausarbeiten aus, später als Lehrerin in Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblättern. Dass Schreiben offenbar die ganze Zeit ein ziemlich konstanter Teil meines Lebens war, fiel mir dabei überhaupt nicht auf.
Während meiner Therapiezeit mit Anfang 30 produzierte ich Unmengen an Text. Ich schrieb Erkenntnisse auf, sortierte Gedanken, versuchte Zusammenhänge zu verstehen und festzuhalten. Dabei kam immer wieder der Gedanke:
ES KANN DOCH NICHT NUR MIR SO GEHEN!
Ich bin ein Mensch und so besonders können meine Empfindungen nicht sein. Mit diesem ganzen Schmerz, den Problemen und der Scham, mit all den Blockaden und inneren Verboten KONNTE ich doch nicht alleine sein!
WARUM REDET NIEMAND DARÜBER?
Genau daraus entstand der Grundgedanke von SOULKANGAROO: Ich war nicht bereit, mich zu zensieren. Wenn ich etwas erlebt, erkannt oder durchgearbeitet hatte, wollte ich darüber sprechen und schreiben, damit andere erkennen können, dass es normal ist. Meine Freundin Abi sagte damals zu meinen Aufzeichnungen: „Da musst du ein Buch drüber schreiben! Das müssen andere Menschen auch wissen.“
Schreiben war damit längst wieder fester Bestandteil meines Lebens – nur auf die Idee, mich deshalb als Autorin zu betrachten, kam ich immer noch nicht.
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DA WAR DOCH WAS …
In meinem letzten Schuljahr ging es im Ausstiegscoaching unter anderem darum, Fähigkeiten und Interessen wiederzuentdecken, die potenziell als neue Standbeine dienen konnten. Und plötzlich fiel mir auf, wie selbstverständlich mich das Schreiben mein ganzes Leben begleitete. Gleichzeitig hatte ich meinen Schulausstieg über Monate intensiv vorbereitet, durchdacht und dokumentiert. Irgendwann war klar: Ich schreibe das Buch, das ich selbst gebraucht hätte. Denn auch beim Schulausstieg dachte ich immer wieder: Es kann doch nicht nur mir so beschissen damit gehen. Und wenn dieses Buch am Ende nur einer einzigen Person helfen konnte, dann hätte es sich schon gelohnt.
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SCHULAUSSTIEG
EXORZISMUS & HIRNKOTZE

Als mein letzter Schultag vorbei war, ging nach Monaten zwischen Ausstiegsprozess, Pandemie, Lockdown, Entwamtungsurkunde, Abitur, Korrekturen, Abschied und Corona erstmal gar nichts mehr. Wochenlanges Koma. To put it in a nutshell: tagelang dieselbe Unterhose und derselbe Schlafanzug.
Am ersten Schultag des neuen Schuljahres 2020/21 stellte ich mir dann extra den Wecker. Während meine ehemaligen Kolleg:innen in der ersten Lehrerkonferenz saßen, setzte ich mich hin und begann zu schreiben. Alles musste raus. Das Studium. Die beiden Staatsexamina. Das Referendariat. Die Jahre im Schuldienst. Korrekturmarathons, Fahrten, Stress, Wut, Grenzüberschreitungen und all die Dinge, bei denen ich mich jahrelang gefragt hatte: Warum redet darüber eigentlich niemand?
Zwei Monate lang schrieb ich praktisch durch. Struktur hatte das Ganze erstmal keine. Nur Jahre voller Erfahrungen, Frust und Gefühle, die irgendwohin mussten. Der reinste EXORZISMUS. Und mein Körper schrieb mit: durchgeschwitzte Nächte, Dauermigräne, alte Stresssymptome. Zweimal pro Woche saß ich bei meiner Ärztin für Infusionen und Akupunktur, einmal pro Woche bei der Thaimassage – gerne mit Sonderbehandlung für meinen rechten „Korrekturarm“, gezeichnet von über einem Jahrzehnt am Schreibtisch. Ich dachte ziemlich schnell: Das Buch ist doch eigentlich schon fast fertig.
Spoiler: War es nicht.
Cover- & Titelideen


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Schreiben ist noch kein Buch...
Nach zwei Monaten hatte ich einen riesigen Berg Text und sah mich schon in den Bestsellerlisten. Also buchte ich ein Mentoring zum Schreiben von Exposés, damit ich schnell einen Verlag fand. Monatelang arbeitete ich mit Workbooks heraus, was mein Buch kann, wen es erreichen soll oder wie das Inhaltsverzeichnis eine sinnvolle Chronologie bekam. Letzteres war verdammt schwer: Was war wann passiert? Was gehörte thematisch zusammen? Und vor allem: Wie sollten Leser:innen verstehen, was Schule wirklich bedeutet, wenn dort immer alles gleichzeitig passiert?
Ich hatte die Idee einer Reise in Etappen (heute sind es 6, anfangs waren es 13!) - dazu gab es sogar einen Reiseplan! Ich sortierte, verschob, strukturierte und baute aus allen parallelen Ebenen eine Geschichte, der auch Menschen folgen konnten, die nicht selbst jahrelang in der Schule gearbeitet hatten. Stellenweise druckte ich ganze Kapitel aus, zerschnitt sie und sortierte einzelne Passagen auf dem Boden neu zusammen. Erst als die Struktur klar war, konnte ich das letzte Kapitel schreiben: die Analyse des Schulsystems. Erst mit diesem Abstand verstand ich, in was für Strukturen ich da über ein Jahrzehnt geraten war – und was darunterlag. Mich schauderte es regelmäßig und manchmal wurde mir kotzübel, wenn sich wieder ein neuer Zusammenhang erschloss.
Damals arbeitete ich mit einer Agentin und lernte, ein Manuskript professionell aufzubauen - und das war dringend nötig: Es hatte fast 700 Normseiten, rund 350 mussten weg. Damit begann für mich die nächste Lektion: kürzen. Genau da wurde es kompliziert - denn wie sollte ich für mich so elementare Erfahrungen streichen? Jede gestrichene Zeile fühlte sich an, als würde ich einen Teil meiner eigenen Geschichte verleugnen - und das tat körperlich weh! Insgesamt war ich bockig, fühlte mich schnell nicht gesehen, wollte Änderungen viel zu schnell abarbeiten. Dabei musste ich etwas lernen, das meinem bisherigen Lehrerinnen-Arbeitsmodus völlig widersprach: Texte sind wie ein guter Hefeteig. Sie müssen gehen. Manchmal muss man sie ein paar Tage in Ruhe lassen, um anschließend mit neuem Blick draufzuschauen. Und noch etwas war ungewohnt: gezeigt bekommen, was noch nicht klappte, ohne gleichzeitig für jeden Fortschritt gelobt zu werden. Plötzlich verstand ich Schüler:innen sehr gut, die rot korrigierte Klassenarbeiten zurückbekamen und nur dachten: Scheiße. Alles falsch.

Der Reiseplan
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Die Geschichte in INSTAGRAM Posts
Und jetzt einen Verlag finden...
Irgendwann war aus meinem riesigen Textberg tatsächlich ein fertiges Manuskript geworden. Jetzt sollte sich die Agentin darum kümmern, das Buch bei Verlagen unterzubringen. Nur passierte: ziemlich wenig. Die Prozesse waren langsam, die Kommunikation zäh und ich wartete darauf, dass es endlich weiterging. Also machte ich das, was ich inzwischen offenbar gut konnte: Ich lernte einfach weiter. Ich beschäftigte mich damit, wie man Pressemappen erstellt und sich als Autorin präsentiert. Und weil SCHOOL’S OUT FOREVER irgendwo zwischen Manuskript und Veröffentlichung festhing, schrieb ich in der Zwischenzeit einfach noch mehr Bücher.
Wenn nichts passiert, schreibe ich halt weiter
Während mein Bestseller auf seinen großen Auftritt wartete, war ich viel unterwegs – und nutzte das Schreiben weiter, um mein Erlebtes zu verarbeiten. In Costa Rica entstand mein erster Reiseroman, in dem ich den schmerzhaften Bruch mit meiner besten Freundin verarbeitete – und praktischerweise gleich noch meine Spinnenangst. Der zweite Teil folgte in Andalusien, wo ich über sechs Wochen mit einem befreundeten Paar und all seinen Spannungen in einem kleinen Häuschen überwinterte. Des Weiteren entstand ein weiteres Sachbuch über die systemischen Regeln von Schule. Mein Problem war also ganz klar nicht ein Mangel an Ideen, sondern wie ich all diese Ideen, Manuskripte und Projekte jemals sortiert und nach draußen bekommen sollte.

Der Kolibri: ein wichtiges Symbol in meinem ersten Reiseroman. Und nach Costa Rica auf meinen Unterarm.
ENDLICH IN DIE WELT

Die wenigen Verlage, die antworteten, fanden mein Buch gut geschrieben – aber zu persönlich. Angeblich keine Zielgruppe. Für mich stand trotzdem fest: Dieses Buch muss raus. Selfpublishing was the only way. Meine Agentin unterstützte mich auf diesem Weg, während ich mir alles selbst beibrachte: Coverdesign, Formatierung, Upload.
2024 erschien mein Buch schließlich als FÜR IMMER SCHULFREI bei Amazon. Auch das Hörbuch produzierte ich. Mal wieder learning by doing. Ich baute mir in meinem Zimmer ein kleines Studio und nahm wochenlang Passagen immer wieder neu auf: zu laut geatmet, falsches Tempo, der knarzende Stuhl. Mit einem professionellen Mastering wurde alles uploadtauglich gemacht und ich legte zwischenzeitlich ein Konto in den USA für den Vertrieb an. Taschenbuch, Hardcover, Ebook und Hörbuch: Das Buch war endlich in der Welt. Und ich dachte: Jetzt kann es losgehen.

DAS BUCH LERNT LAUFEN

Die ersten Rückmeldungen und Rezensionen kamen, ich gab meine erste Wohnzimmerlesung. Nur der große Durchbruch blieb aus. Langsam wurde es finanziell eng: Meine Ersparnisse wurden immer weniger und ich verdiente schlichtweg kein Geld. Und dann endete im September 2025 plötzlich die Zusammenarbeit mit meiner Agentin. Sagen wir so: Es war keine einfache Trennung. Auch für mein Buch hatte das Ganze ziemlich konkrete Folgen. Plötzlich musste ich klären: Was darf ich eigentlich mit meinem eigenen Buch machen? Wie komme ich aus bestehenden Vereinbarungen wieder heraus? Nach meinem Ausstieg aus dem Schuldienst saß ich also einige Jahre später erneut da, beschäftigte mich mit Verträgen, Abhängigkeiten und diesmal sogar anwaltlicher Beratung. Irgendwann fiel mir die Ironie der Geschichte auf: Ich hatte ein Buch über Befreiung geschrieben – und jetzt musste ich auch noch das Buch befreien.
EINE ZWEITE CHANCE
Bevor etwas Neues entstehen konnte, musste erstmal das Alte weg: Alle bisherigen Ausgaben wurden gesperrt und aus dem Verkauf genommen. Nach bereits über 5 Jahren Arbeit und einer Veröffentlichung brauchte das Buch einen Neuanstrich. Der Titel sollte endlich auf Englisch sein – so, wie ich es ursprünglich ohnehin geplant hatte: SCHOOL’S OUT FOREVER. Und diesmal wollte ich mich auch gestalterisch austoben. Ich setzte Bilder auf die Seiten, vergrößerte die Schrift zur besseren Lesbarkeit, schrieb einen neuen Epilog, veränderte den Preis. Alles ging ab sofort ausschließlich über Books on Demand, denn zu viele Menschen lehnen Bestellungen über Amazon ab. So kann man das Buch auch bequem im Lieblings-Buchhandel bestellen.
Mit der neuen Ausgabe ging es raus zur nächsten Lesung in der Stadtbibliothek, in der ich schon als Kind immer die komplette Comickiste ausgeliehen hatte.
Über fünf Jahre lang brauchte dieses Buch, um endlich frei zu werden - und hat mich auf die Befreiungsriese mitgenommen. Wir sind jetzt beide erwachsen. Jetzt darf es - wie ich - wirken, die Welt entdecken und seine eigenen Wege gehen.

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